Meine pers. Meinung                  

            

 

Diebische Freunde

Heinz Kratz     über Freiheitsberaubung von Amts wegen

Hinterm Horizont geht‘s immer weiter, denn über den Wogen, da ist die viel besungene Freiheit grenzenlos 

Was für eine naive Vorstellung!

Der Horizont befindet sich je nach Standhöhe so um und bei drei Seemeilen Distanz. Und wenn man sitzt, wie es auf Ämtern die Regel ist, verringert sich die Entfernung auf Schreibtischbreite.

Dann wird der Horizont vom nächstgelegenen Stapel Formulare markiert.

 

Deshalb befriedigen wir auf Watten- und Weltmeer staatlichen Regelungsbedarf- auch auf dem Wasser muss eben alles, aber wirklich alles seine gesetzliche Ordnung haben.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sei hier mal angeführt, was der Gesetzgeber inzwischen so alles von einem Skipper verlangt: Pass und Führerschein, am besten gleich mehrere, Sprechfunkzeugnis, Standerschein, Versicherungsnachweise, ein halbes Dutzend Schiffspapiere mit Einfuhrerklärung und Zollverklarung, geprüfte Sicherheitsausrüstung mit Schwimmwesten für jedermann, Fäkalientank, dazu kommen das Führen eines Logbuchs und die Verpflichtung, ständig den Notrufkanal abzuhören.

Jedes Amt streicht natürlich für Beschaffung und Bereitstellung eine kleine Kostenpauschale ein.

Dabei wollen wir nicht in Nordkorea einreisen, sondern nur mal eben mit vier bis fünf Knoten Fahrt nach Faaborg rüberzuckeln zum Plattfisch-Essen.

Was wiederum voraussetzt, dass, wenn wir nicht von einem den Behörden genehmen Hafen auslaufen. Wochen im Voraus die so genannte Grenzerlaubnis beantragen müssen, und zwar für jedes einzelne Crewmitglied.

Da hat´s der Autofahrer doch bedeutend leichter:

Nur mit Führerschein. Wagenpapieren und Versicherungskarte im Handschuhfach darf er selbstmörderisch mit 250 km/h über die Autobahn brettern oder seine Mühle auf dem Nürburgring zerlegen.

Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit ??

Kein Möwenschiss an Deck. dessen Beseitigung nicht Behördlicherseits geregelt ist, keine Pinkelpause. die nicht strafrechtlich relevant werden könnte.

Die Große Freiheit auf dem Meer, sie ist nicht mal mehr eine Kleine Freiheit.

Unsere diebischen Freunde vom Amt haben Sie uns längst geklaut.

Meiner Erinnerung nach liegt der deutsche Rekord für den Straßenverkehrs bei 23 Schildern auf  100 Metern

Doch während es mithilfe der Autolobby in Form von 20 MiIlionen ADAC -Mitgliedern langsam gelingt, mit der Ausforstung des Schilderwaldes.

Eine unselige Entwicklung zumindest teilweise zurückzudrehen, kämpft das Häuflein der 200000 im DSV versammelten Segler - zwar gar nicht ungeschickt und meist hinter den Kulissen - ohne den ganz überwältigendem  Erfolg gegen die unablässig brandenden behördlichen Begehrlichkeiten.

Staatlich sanktionierter Freiheitsberaubung entgegen steht, wenn ein Amtmann in  Berlin über die dramatischen Gefahren des Seesegelns nachdenkt Der muss uns schließlich von Gesetzes  wegen vor uns selbst beschützen.

Dazu sind Gesetze da.     Und: Woher soll er‘s besser wissen?

Ein Psycho-Therapeut hat mich unlängst gefragt, warum ich solches Risiko eingehe. Und ob die See´segelei womöglich dazu diene, irgend­welche Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren ??.

Wenn also schon ein geschulter Psychologe in einem kleinen Kaffeetörn Lebensbedrohliches vermutet –

wie soll erst erwähnter Beamte den Sachverhalt vernünftig beurteilen?

Jener beflissene Staatsdiener macht sich derzeit vermutlich Gedanken darüber, ob es nicht besser sei, das abendliche Pfeifchen im Cockpit baldmöglichst zu verbieten,

und welche Formulierungen, Kontrollmechanismen und Instanzen dafür erfunden werden müssen.

Mit einem Tabakverbot schützt er nämlich unsere Lungen.

Und sein Kollege vom Amt für Finanzen sorgt sich gerade schwerstens um unsere Einkünfte.

Es muss doch einen Weg geben, die Konten leer zu räumen und die Abschreibungsmöglichkeiten so einzugrenzen, dass wir uns kein Boot mehr leisten können.

Auch das ist gut für unsere Gesundheit, weil wir uns ohne Boot gar nicht erst in Lebensgefahr begeben können.

So erfüllt der Beamte letztlich nichts anderes als seine Fürsorgepflicht.

Wir sollten dankbar sein. 

 

Es gab einmal eine Zeit, in der Majestätsbeleidigung strenger bestraft wurde als das

Segeln ohne Papiere.

Denn damals verstand die Obrigkeit, was Menschen aufs Wasser treibt, und Kaiser Wilhelm II., so seltsam er gewesen sein mag, war der erste Segler im Staate.

Ihn zog es aus den gleichen Gründen zur See wie unsereinen:

Eine kleine Weile die Zwänge des zeremoniellen Alltags einzutau­schen gegen ein Leben an Bord, wo Wind und Wetter für erfri­schend einfache und klare Regeln sorgen.

Eine kleine, aber majestätische Welt, in der ich allein den Kurs abstecken und für mich selbst Verantwortung tragen kann. Das nenne ich wirkliche Freiheit

Aber die Realität sieht nun mal anders aus.

Der verstorbene Johnny Jungblut, ( Kap Hoorn´ier, Elblotse und Sportsegler ), hat einmal resignierend gesagt:

„Kap Hoorn? „

Da darf man heute nicht mehr vorbeisegeln. Ist kein Geländer drann.

Ich erwarte in Kürze den ersten Prozess, in dem Eltern wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht stehen, weil sie ihren halbwüchsigen Sohn ein paar Stunden der Seekrankheit ausgesetzt haben.

Und auf eine Anklage wegen Schollenangelns bei Flaute. Ist nämlich Tierquälerei.

Wann kommt die Helmpflicht für Rudergänger?

Die zwanghafte staatliche Fürsorge hängt sich in unser  Kielwasser wie ein verdammter Hai und schnappt nach jedem Stück Freiheit. Wie weit sind wir gekommen, wie eng ist unser Horizont geworden  

 Galt Freiheit nicht stets als der Menschen höchstes Gut?

 

Heinz Kratz

 

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 Autor Svante Domizlaf  Geändert und persönlich angepasst Heinz Kratz